Melanchthon-Schüler diskutieren die Grenzsicherung und Asylpolitik der „Festung Europa“
Während in Europa primär die Eurokrise wahrgenommen wird und die Risiken der EU für Deutschland diskutierten werden, beschäftigten sich Jugendliche der Melanchthon-Schule aus dem Leistungskurs Politik und Wirtschaft und Schüler eines Frankfurter Gymnasiums bei einem Workshop der Evangelischen Akademie Arnoldshain am 2./3.12.2011 in Frankfurt mit der Grenz- und Flüchtlingspolitik der EU. Denn viele Menschen – beispielsweise aus Afghanistan, Pakistan, Irak oder Somalia – sehen die EU besonders als Raum des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands, weshalb sie sich in einem der Mitgliedsstaaten eine bessere Zukunft erhoffen und dorthin – auch unter Lebensgefahr in kleinen Booten über das Mittelmeer– zu gelangen suchen.
Mit globaler Migration, Abschottungsmaßnahmen der „Festung Europa“ sowie den schwierigen Verhandlungen über eine gemeinsame Zuwanderungspolitik in Europa beschäftigen sich die Jugendlichen anhand von Vorträgen, Wissensquiz, Expertengesprächen und einem Planspiel.
Zunächst standen am Freitag die EU-Institutionen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Anschließend zeigten die beiden Schülergruppen Präsentationen zur deutschen und europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik (Schengen, Dublin II-Abkommen) sowie zur gemeinschaftlichen Grenzsicherung im Mittelmeerraum und den Folgen des „arabischen Frühlings“. Zudem hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, mit der Abschiebebeobachterin Diana Nunez vom Diakonischen Werk Frankfurt zu sprechen, die engagiert und anschaulich von ihren Erlebnissen auf dem Frankfurter Flughafen berichtete.
Die Rolle eines Mitglieds der EU-Kommission zu übernehmen oder als italienischer Abgeordneter des Europäischen Parlaments zu argumentieren, das war für die Schülerinnen und Schüler beim Planspiel eine spannende Aufgabe. Immer wieder erwies es sich als erforderlich, bei Sitzungen des „Innen- und Rechtsausschusses des EP“ oder bei Gesprächen im „Ministerrat“ Kompromisse auszuhandeln oder bei informellen Gesprächen die Interessenlage der anderen Akteure auszuloten. Eine Pressegruppe sorgte für aktuelle Nachrichten und kritische Interviews mit den „Politikern“.
Am Ende des zweitägigen Workshops waren sich alle Schüler einige: Sie hatten sich intensiv mit der Komplexität der EU-Politik in Hinblick auf nationale Interessengegensätze, Abstimmungsregeln wie die qualifizierte Mehrheit u.ä. auseinandergesetzt und waren sich einig, dass eine „Festung Europa“ weder ethisch vertretbar noch aufgrund der tatsächlichen Flüchtlingszahlen gerechtfertigt sei. Nur eine gemeinschaftliche Zuwanderungspolitik könne zukunftsfähig sein, die - statt Angst und Vorurteile zu verstärken - die Chancen von Zuwanderung erkenne und bereit sei, sich weltweit für Menschenrechte, Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung einzusetzen.


