Melanchthon-Schule Steinatal

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18.11.2011 Fahrt zur Gedenkstätte Breitenau

von S. Wagner

Vorbereitung und unterrichtlicher Kontext der Studienfahrt

Die Studienfahrt zur Gedenkstätte Breitenau ist Teil eines Projektes in der Einführungsphase, an dem drei Deutschkurse teilnehmen. Dabei erarbeiten Schüler Präsentationen und Ausstellungsplakate zu literarischen Zeugnissen von NS-Opfern, stellen diese im Unterricht sowie in der Gedenkstätte Trutzhain (Ausstellungseröffnung 11.12.11) vor. Dabei sollen historische Orte und Zeitzeugen die Begegnung mit den Texten ergänzen (Zeitzeugengespräch mit Gert Schramm, einem Überlebenden von Buchenwald und Verfasser einer Autobiographie, am 9.11.2011 in der Gedenkstätte Trutzhain sowie am 10.11.2011 in der Melanchthon-Schule).

Zu den von Schülern im Unterricht präsentierten Texten gehört auch Martin Doerrys „Mein verwundetes Herz“ – Leben der Lilli Jahn 1900 – 1944, worin Briefe Lilli Jahns und ihrer Kinder erläutert werden. Der Schwerpunkt bei der Buchvorstellung lag auf der Diskriminierung der jüdischen Ärztin Lilli Jahn und ihrer Gefangenschaft in Breitenau. Am 17.11.2011 wurde in den drei Kursen jeweils dieses Buch von Schülern vorgestellt. Wer mehr über dieses Buch und das Schicksal von Lilli Jahn wissen möchte, kann sich demnächst in den Ausstellungen in Trutzhain sowie in der Schule genauer informieren.

Ablauf der Studienfahrt

Die Schüler sind mittags in der Melanchthon-Schule abgefahren. Um 14 Uhr erreichte der Bus die Gedenkstätte, wo die Schülergruppe zunächst in zwei Gruppen eingeteilt wurde. Zunächst wurde eine Schülergruppe von einer der Mitarbeiterinnen durch die ständige Ausstellung geführt, während die andere Schülergruppe, ebenfalls betreut durch eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte, einen einführenden Film zur Geschichte von Breitenau ansah. Dieser Film enthält Aufnahmen von Zeitzeugengesprächen, die die Schüler besonders beeindruckt haben und Parallelen zu den Aussagen in den gelesenen Texten von Imre Kertezs, Primo Levi u.a. aufzeigten sowie Gemeinsamkeiten mit den Aussagen von Gert Schramm aufwiesen. So konnten die Jugendlichen zahlreiche Verknüpfungen zwischen der Ausstellung in Breitenau und dem Unterrichtsinhalt herstellen. Während der Führung durch die Ausstellung lasen die Schüler, die sich besonders intensiv mit den Briefen Lilli Jahns und ihrer Kinder während der Haft beschäftigt haben, besonders eindringliche Textstellen von Lilli und ihren Kindern vor. Danach wechselten die beiden Gruppen (während die anderen den Film sahen, wurden die anderen durch die Ausstellung geführt) die Lernorte/Tätigkeiten.

Anschließend fanden für die Schülergruppen Führungen durch die Kirche und über das Gelände des ehemaligen Klosters statt (leider konnten wegen Filmaufnahmen die Zellen nicht besichtigt werden). Besonders eindrucksvoll war es für die Jugendlichen, in der Kirche zu stehen und sich vorzustellen, wie auf der einen Seite Gottesdienst gefeiert wurde, während jenseits der Wand Menschen gefangen gehalten wurden.

Danach konnten die Schülergruppen abwechselnd einen Film über das Leben Lilli Jahns in Immenhausen, Kassel und im KZ/Arbeitserziehungslager Breitenau mit Interviewaufnahmen mit der Tochter Ilse Doerry sehen und besprechen sowie in historischen Akten Schicksale von z. B. Zwangsarbeitern aus der Region (Neukirchen, Treysa, Ziegenhain, Ottrau etc.) recherieren. Um 17.15 Uhr begaben sich die Schüler wieder zurück zum Bus und erreichten um 18 Uhr die Melanchthon-Schule.
Eine Auswertung der Exkursion erfolgt im darauf folgenden Unterricht. Beeindruckend war das intensive Recherieren, Nachfragen und Reflektieren der Schüler, die gerne noch länger in der Gedenkstätte in den Akten gelesen hätten.

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