Melanchthon-Schule Steinatal

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19.04.2010 Gedenkfeier in der Melanchthon-Schule Steinatal zum 450 Todestag Philipp Melanchthons

von Schulleitung

Liebe Schulgemeinde, sehr geehrte Gäste,

erlauben Sie mir als Schulleiterin einige einleitende Worte zum Anlass dieses Abends: Wie die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland, die am heutigen Tag in Wittenberg mit einer zentralen Gedenkveranstaltung – in Anwesenheit der Bundeskanzlerin – an den Bildungsreformator Philipp Melanchthon erinnert und ihn ehrt, so gedenken auch wir hier im Steinatal seiner herausragenden Bedeutung als Christ und „Lehrer Deutschlands“. Und wir dürfen stolz darauf sein, diesen besonderen Tag als das einzige evangelische Gymnasium in Deutschland begehen zu können, das den berühmten Namen trägt. Alle weiteren Melanchthon-Gymnasien – meines Wissens 5 an der Zahl: z.B. an Stätten der Reformation wie Nürnberg und Wittenberg, die auf Gründungsinitiative Melanchthons selbst zurückgehen – werden inzwischen in staatlicher bzw. städtischer Trägerschaft geführt.

Anders als in den Orten seines Wirkens ist Melanchthon nie im Steinatal gewesen, wenn auch ein kurzer Aufenthalt in Ziegenhain 1524 im Zuge einer Reise überliefert ist. Dennoch lautet der Titel eines unserer „Steinataler Hefte“: „Melanchthon im Steinatal“ – Der Name als Programm“ und bringt damit die Bindung unserer evangelischen Schule an das protestantische Bildungsverständnis zum Ausdruck, das wesentlich von unserem körperlich zwar kleinen, dazu sehr bescheidenen, nach Geistesgaben und Gelehrsamkeit jedoch ganz großen Namenspatron geprägt wurde.

Natürlich kann Melanchthons Pädagogik in unserer Zeit nicht unverändert 1:1 Geltung behalten, aber sie gewann prägende Kraft für unser Bildungswesen insgesamt, wurde über die Zeit hinweg weiterentwickelt und fortgeschrieben. Das dürfte übrigens ganz in seinem Sinne sein, dessen Biografie von lebenslangem Lernen Zeugnis gibt. So hat heutiges schulisches Bildungsverständnis – und nicht nur das an einer evangelischen Schule – zahlreiche seiner Impulse aufgenommen und integriert, ohne dass uns dies allerdings im normalen Schulalltag ständig vor Augen steht. Um konkret zu werden, nenne ich zunächst ein paar Beispiele von Melanchthons Spuren, die uns durch eigenes Erleben in unserer Schule geläufig sind:

Abgesehen von unserem Denkmal des Reformators, das zu seinem 500. Geburtstag 1997 von der Hamburger Künstlerin Almut Heer geschaffen und uns 1998 zum 50jährigen Schuljubiläum auf Initiative der Elternschaft von der Kulturstiftung der Kreissparkasse Schwalm-Eder gestiftet wurde – den Herren Porada und Prinz sei immer dafür gedankt (beide sind anwesend)! –, abgesehen von diesem Kunstwerk finden sich auch in den Gebäuden unserer Schule weitere eindrucksvolle Bildnisse unseres Namenspatrons, z.B. seit heute im Foyer des Schindelhauses ein Melanchthon-Portrait als Metallrelief im Stil eines Scherenschnittes, das schon 1997 in unserer Werkabteilung entstanden ist und am neuen Standort nun noch besser zur Geltung kommt als in den Jahren zuvor. Sichtbar und vielfach genutzt ist unser Schul-Logo, das „Melanchthon-M“, das unser Schrifttum, aber auch Gebrauchsgegenstände – einschließlich den Schulbus – ziert und sogar regelmäßig in den Rasen vor dem Kunst-Werk-Haus gemäht wird. Dies und manches mehr haben wir täglich vor Augen: als äußere Zeichen der Erinnerung und als Brücken zur Identifikation mit dem Schulnamen.

Aber wie steht es um die inhaltlichen Spuren von Melanchthons Pädagogik im Unterrichtsprogramm und Schulleben unseres Gymnasiums? Das ist wahrlich ein „weites Feld“, weshalb ich jetzt nur stichwortartig einige wesentliche Aspekte nennen möchte:

- die Wertschätzung der Bibel, die es zu kennen und zu verstehen gilt: als Quelle des christlichen Glauben, damit junge Menschen in Fragen des Lebens- und Orientierungswissens sprach- und auskunftsfähig werden;

- die Kenntnis und Pflege der Sprachen: der alten genauso wie heutzutage der neuen, die zu philologischer Genauigkeit und klarem, präzisen Denken führen, außerdem mit erworbener Sprachkompetenz ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und kultureller Kompetenz vermitteln;

- das pädagogische Ziel einer ganzheitlich angelegten Persönlichkeitsbildung auf der Grundlage eines breitgefächerten, fundierten und vernetzten Wissens, – also nicht ausschließlich „Faktenhuberei“ oder „Experten-Monokultur“;

- ein Bildungsbegriff, der – ganz reformatorisch – beides will: Bildungschancen für alle geben und herausragende Begabung fördern;

- ein Schulklima, das Dialog- und Kompromissbereitschaft fördert, Konflikt- und Problemlösungskompetenz integriert, kurz: das eine Kultur des Helfens und wechsel­seiti­ger Anerkennung wachsen lässt;

- eine Andachts- und Gottesdienstpraxis, die uns den christlichen Glauben in ganz selbstverständlich gelebter oekumenischer Gemeinschaft erfahren lässt.

Wir haben also allen Grund, den Namensgeber unserer Schule zu achten und ihm die Ehre zu erweisen: Wie schön, dass sich so viele eingefunden haben, dies mit uns zu tun. Ich wünsche uns eine anregende, inhaltlich reich gefüllte Feier!

Programm: Programm450.pdf (PDF-Datei - 241 KB)

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